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27.06.2005
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Hunderte beobachten Sprengung des Lonza-Kamins |

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"Ein Kapitel Waldshuter Geschichte geht zu Ende", verkündete Oberbürgermeister Martin Albers zu ungewohnt früher Stunde. Eine Viertelstunde später blieb vom 100 Meter hohen Lonza-Kamin nur noch ein Trümmerfeld. Das 65-jährige Bauwerk machte Platz für die erste Erschließungsstraße im "Gewerbepark Hochrhein". Viele hundert Neugierige waren Zeugen, als 36 Kilogramm Dynamit die 3000 Tonnen Beton und Ziegelsteine punktgenau zwischen zwei Hallen legten.
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Waldshut-Tiengen - Dienstagmorgen, 5 Uhr: Ungewöhnliches Verkehrsaufkommen auf und entlang der Bundesstraße 34. Per Auto, Motorrad, mit dem Fahrrad und zu Fuß streben Hunderte aus beiden Stadtteilen und dem Umland zum alten Lonza-Gelände. Dort ist ein Radius von rund 200 Metern rund um den alten Ziegelschornstein abgesperrt.
Bald drängen sich auf den Gesteinshalden Zuschauer: Jung und alt, ehemalige Lonzaner, fast alle Stadträte, Schüler, Fotofreunde, Alusuisse-Manager, Landtagspräsident Peter Straub und OB Martin Albers.
5.20 Uhr kündigt ein Hupton an, was das Sprengunternehmen Fink aus Pfullingen bei Reutlingen als "Fallrichtungssprengung mittels Fallschlitzmethode" bezeichnet. Pünktlich um 5.30 Uhr entfalten 36 Kilo Sprengstoff ihre Wirkung. Dem dumpfen Knall folgt eine kleine Staubwolke am Fuß des unten 6,77 Meter starken Bauwerks. Dann neigt sich der 100-Meter-Schlot planmäßig gen Norden, zunächst steif, knickt dann ein und zerbröselt zwischen zwei abbruchreifen Fabrikhallen, die zugleich als Fangzaun für die tausend Splitter dienen. Zwischen ihnen erhebt sich eine Staubwolke. All das in weniger als zehn Sekunden. Die Wolke senkt sich alsbald wieder, die Freiwillige Feuerwehr tut ein Übriges, die Belästigung für Nachbarn in Grenzen zu halten. Windstille begünstigt das glückliche Ende der Aktion. Nur wenige Meter vom Sockel des Schlots entfernt, rollt der Straßenverkehr nach wenigen Minuten wieder. Die Polizei hat nur Mühe, die vielen Autos der geladenen Gäste aus dem zunehmenden Berufsverkehr herauszuwinken.
Zuvor hält Walter Eschenmoser, als Lonza-Manager ein Geburtshelfer des neuen Gewerbeparks, so etwas wie eine Grabrede auf den roten Riesen. Dieser entsorgte einst 370000 Kubikmeter Abluft aus der Karbidproduktion, die wiederum "in einem Jahr so viel Energie benötigte wie Waldshut, Tiengen und das Kaitle zusammen in vier Jahren".
Die geladenen Gäste genossen den Sommermorgen anschließend beim "Kamin-Frühstück". Aufgetischt hatte Fährhaus-Wirt Hermann Mößner, dem der Abluftkamin des Nachbarn post mortem wohl zum ersten Mal Freude bereitete. |
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